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Eine Projektskizze










Die Akte der "Wiedertäufer"

Melanchton

Melanchton und die "Wiedertäufer"

1535/36 wird die Leuchtenburg als wettinischer Amtssitz und Zentrum der Landesherrschaft ein besonderer Schauplatz der Reformationsgeschichte: Der Theologe Philipp Melanchton, der sich aufgrund der Pest und der damit verbundenen Verlegung der Universität Wittenberg nach Jena in der Region aufhält, wird vom Amtsverwalter Peter Wolfram auf die Leuchtenburg gerufen. Ursache sind mehrere auf der Burg inhaftierte Wiedertäufer, die der Gelehrte verhören und in den strittigen Punkten zur Religionsauslegung examinieren soll.


Philipp Melanchthon (1497-1560)

Religionsauslegungen im Saaletal

Religionsauslegungen um Luthers reformierte Kirche und die Wiedertaufe als eine der extremen und weit über die Ansichten Luthers hinausgehenden Form, hatten bereits seit dem Sommer 1523 das Saaletal um die Pfarrei in Orlamünde in Aufruhr gebracht . Grund dafür war die Übersiedelung des Reformators Karlstadt von Wittenberg nach Orlamünde, nachdem es heftige Auseinandersetzungen mit Luther gegeben hatte. Zwar war Karlstadt unmittelbar in seinen Ansichten von Luthers Kirchenreformation beeinflusst, ging aber später eigenständige und radikalere Wege über diesen hinaus. Karlstadt drängte auf Abschaffung all dessen, was nach seiner Auffassung mit einem evangelischen Glaubensbewusstsein nicht mehr vereinbar war. Er hielt die Beichte und Fastengebote für überflüssig, forderte die radikale Entfernung aller Bilder und „Ölgötzen“ aus den Kirchen und stellte die Kindertaufe ein. Auch in Orlamünde und der Region bis Jena trafen diese radikalen Ansätze auf großen Zuspruch. Luther selbst reiste in die Gegend, um Karlstadt von seinen Ansichten abzubringen, und als dieser sich nicht bekehren ließ, wurde er im September 1524 des Landes verwiesen. Diese Vertreibung verlieh ihm den Glanz des Märtyrertums, und seine Lehren wurden im Verborgenen noch populärer.


Schleier Turm Leuchtenburg

Hans Schleier und die Baugeschichte
der Leuchtenburg

Einer der auf der Leuchtenburg inhaftierten vermeintlichen Wiedertäufer war Hans Schleier, Leinenweber aus Riethnordhausen in der Nähe von Sangerhausen. Mit seiner Person verbindet sich die Religionsgeschichte unmittelbar mit der Baugeschichte der Burg. Weil die Gefängnisse der Leuchtenburg unzureichend waren, wurde einer von vier Wehrtürmen für die Inhaftierung von Hans Schleier zu einem ausbruchssicheren Verwahrungsort umgebaut. Dass der Turm heute noch "Schleier"-Turm heißt, ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass Hans Schleier während seiner Haft einen spektakulären Ausbruchsversuch unternahm und mehrere Wochen von den Seitenrodaer Bauern und einem Kahlaer Arzt gepflegt werden musste. Dazu sog man ihn täglich zwei Mal aus dem Gefängnisloch Gefangener auf der Leuchtenburg des Turms durch das Gewölbe an einem Strick nach oben. Nach 206 Tagen wurde Hans Schleier entlassen, da sich der Verdacht auf "Wiedertäuferei" nicht bestätigen konnte. Spanndende Dokumente, wie das handschriftliche Verhörprotokoll von Philipp Melchanchton, Selbstzeugnisse und Briefe seiner Frau, machen die Geschichte um Hans Schleier zu einer wahrhaften Story.


Wendelstein im Schleierturm

Das Ausstellungsprojekt

Der Wendelstein im Schleierturm ist heute nur noch ein paar Stufen zu begehen. Dann ist er vermauert. Das Loch im Gewölbe noch sichtbar, aber ansonsten ist der untere Teil des Turmes zugeschüttet. Es heißt, man habe den Turm beim Umbau zum Zuchthaus nach 1700 mit Schutt verfüllt. Eine geplante Ausgrabung wird vielleicht noch weitere Geheimnisse lüften. Seien Sie gespannt auf eine zukünftige Ausstellung im Jubiläumsjahr um die Geschichte des Turmnamensgebers, die Reformation und die Wiedertäufer.


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